Die Hingabe ist der Weg der göttlichen Liebe, der helfen soll, mit dem Göttlichen im Herzen zu verschmelzen. Die Hingabe nimmt unterschiedliche Formen an, es gibt Riten (puja), Lieder (kirtan), Sprechgesänge (japa), Meditation über das Göttliche (upansana) und verschiedene Stimmungen, in die man sich versetzen kann. Dabei wird jenem Göttlichem gedient, das als der letztendliche Ursprung aller Hilfe und Führung gilt. Der Yoga der Hingabe gilt als beste Methode, das Herz und die Gefühle zu heilen. (vgl. Frawley, 2001)
Jnana-Yoga – der Yoga der Erkenntnis
Yoga wird hier nach Frawley (2004) vor allem als eine Suche nach Erkenntnis, nach der Wahrheit des Lebens, nach dem Selbst und nach Gott gesehen. Jedoch handelt es sich um eine Suche der besonderen Art, die nicht mit dem äußeren Geist und den Sinnen erfolgt, sondern mit dem inneren Geist und dem Herzen. Der Yoga der Erkenntnis ist nicht in erster Linie eine Sache des Denkens, obwohl er mit intensivem Nachdenken über die großen Fragen des Lebens beginnt.
Er ist eine Meditation, die voraussetzt, dass der Geist in einem Zustand des friedlichen Beobachtens verweilt, um mit Hilfe von Wahrnehmung die Wahrheit zu entdecken.
Die klassischen Yogawege
Die große Tradition des indischen Yoga hat im Verlauf der mehr als dreitausendjährigen Entwicklung eine Reihe von Übungswegen hervorgebracht. Hier sollen die vier Hauptwege des Yoga, die schon einmal kurz erwähnt wurden, noch einmal näher beschrieben werden. Die Hauptwege sind
Die Hatha-Yoga-Pradipika
Die Hatha-Yoga Pradipika dürfte um 1400 nach Christus entstanden sein. Sie möchte auf den Raja-Yoga vorbereiten. Sie lehrt dazu ein System von Körper- und Atemübungen, die sehr populär geworden sind. Das eigentliche Anliegen der Hatha-Yoga-Pradipika zielt auf tiefere Ebenen ab, nämlich soll die Kundalini-Kraft, eine subtile Energie, geweckt und nutzbar gemacht werden. Dies geschieht vor dem Hintergrund tantrischer Überlieferung, nach der sich die Formen und Kräfte des Makrokosmos im Mikrokosmos des menschlichen Körpers widerspiegeln. Während die Körper- und Atemübungen der Hatha-Yoga-Pradipika relativ schnell zu erlernen sind, erfordert der Umgang mit der Kundalini-Kraft ein tiefes Verständnis der kulturellen und spirituellen Zusammenhänge. (vgl. Weiß, 1986)
Der Yoga der Bhagavadgita
Die Bhagavadgita ist in den Jahren zwischen 400 vor Christus und 200 nach Christus entstanden. Sie enthält sicher noch Elemente der jüngeren Upanischaden, im Mittelpunkt steht jedoch ein neues Gottesverständnis. Sie enthält ein Gespräch zwischen Krsna und Arjuna über den Weg rechten Handelns angesichts eines unmittelbar bevorstehenden Krieges, der Tod und Vernichtung bringen wird.
Sie zeigt nach dem Jnana-Yoga der Upanischaden und dem Raja-Yoga des Yoga-Sutra noch zwei weitere Yoga-Wege. Zum einen Karma-Yoga, der Handeln ohne Gewinnstreben verlangt. Nur die Erkenntnis, nicht der Lohn soll Antrieb sein. Erfolg und Misserfolg sind mit Gleichmut hinzunehmen. Der andere, Bhakti-Yoga, bedeutet, für einen persönlichen Gott tätig zu sein. In jeder Handlung auszudrücken, dass man ihn hingebungsvoll liebt. Die Bhagavadgita lehrt, dass Askese und Meditation erforderlich sind, damit die Ordnung und das rechte Werk erkannt werden. Der kürzeste Weg zur Vereinigung mit Gott aber wird in der Liebe gesehen. (vgl. Weiß, 1986)
Das Yoga-Sutra des Patanjali
Das Yoga-Sutra stammt aus der Zeit von 200 v. Christus bis 400 n. Christua und vermittelt das klassische Yoga-System. Das Yoga-Sutra beruht auf der Samkhya-Philosophie, die im Gegensatz zu den Upanischaden zwischen Natur und Seele unterscheidet. Danach können sich Natur und Seele nur dann verbinden, wenn das Denken zur Ruhe gekommen ist.
Der achtgliedrige Yoga-Weg, der im Kapitel 2.4.4 noch näher beschrieben wird, führt über Selbstbeherrschung, Selbstbindung, Sitzhaltung, Atemzügelung, Zurückziehen der Sinne, Sammlung und Verinnerlichung zur Harmonie. Diese schenkt immerwährende Freude im geistigen Sein. Yoga ist in diesem Sinne ein Weg zur Selbstbefreiung. Er krönt den Menschen und verdient deshalb den Namen Raja-Yoga – den königlichen Yoga. (vgl. Weiß, 1986)
Die Upanischaden – Quellentexte des Yoga
Die älteste Quelle des Yoga findet sich in den Upanischaden, die ab 1000 v.Chr. entstanden sind. Sie wurzeln wie fast alle geistigen Traditionen in den Veden, den ältesten heiligen Schriften Indiens.
Die Upanischaden lehren, dass die Einzelseele ein Teil der unvergänglichen Weltseele sei. Dies könne durch Yoga erkannt werden. Die Erkenntnis der Einheit befreie vom Kreislauf der Wiedergeburten.
Unter Yoga wurde zunächst die in magischer Zeremonie angestrebte Verbindung des Menschen mit höheren Kräften verstanden.
Später bezeichnete man mit Yoga einen eigenständigen Erkenntnisweg. In diesem Sinne kann der Yoga der Upanischaden als Jnana-Yoga – Yoga der Erkenntnis aufgefasst werden. (vgl. Weiß, 1986)
Was ist Yoga ?
Ableitung und Bedeutung des Wortes Yoga
Dass Yoga ein sehr vielschichtiger Begriff ist, wird beim Studium der gängigen Yoga-Literatur deutlich.
Ursprünglich bezeichnete der Begriff „yoga“, der aus der indischen Sanskritsprache stammt und von der Verbalwurzel „yui“ abgeleitet wird, das Anschirren von Zugtieren vor einen Wagen. Später wurde auch das bei dieser alltäglichen Handlung verwendete Instrument – das Joch – mit dem Terminus „yoga“ belegt. Yoga fügt also etwas zusammen, stellt eine Einheit her und erlaubt gleichzeitig eine Kontrolle über die Antriebskräfte.
In den Upanischaden, alten indischen Schriften, heißt es sinngemäß, dass der menschliche Körper das Fahrzeug der Seele sei, und die menschlichen Sinne zunächst wie wilde Tiere seien. Sie müssten vereinigt und gelenkt werden, damit der Mensch mit seinem Fahrzeug zur Selbst-Verwirklichung gelangen könne.
Im Laufe der indischen Kulturgeschichte wandelte sich die Bedeutung allmählich, und Yoga wurde zum Oberbegriff für eine Fülle von Techniken und Methoden.
So sagt Mahadev Desai in seiner Einführung in die Bhagavad-Gita [1], dass das Wort „Yoga“ das Anjochen aller Kräfte des Körpers, des Verstandes und der Seele an Gott bezeichne. Yoga setze die Zucht des Denkens, des Bewusstseins, der Empfindungen, des Willens voraus. Es bedeute Ausgeglichenheit der Seele, die den Menschen befähige, gleichmütig das Leben in allen seinen Aspekten zu betrachten. (vgl. Fuchs, 1990; Iyengar, 2005)
Der Indologe Erich Frauwallner definierte 1953 in seinem Buch Yoga folgendermaßen:
Unter Yoga versteht der Inder das Streben, vermittels systematischer Schulung des Körpers und Geistes auf dem Wege innerer Sammlung durch unmittelbares Schauen und Erleben die erlösende Erkenntnis oder die Erlösung selbst zu erlangen. Er ist also keine Lehre, sondern eine Methode, und kann als solche mit den verschiedensten Lehren in Verbindung treten. (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V. (BDY), 1994, S. 1)
Die Bhagavad-Gita zählt als heilige Schrift zu den bedeutendsten Texten der indischen Kultur.