Die große Tradition des indischen Yoga hat im Verlauf der mehr als dreitausendjährigen Entwicklung eine Reihe von Übungswegen hervorgebracht. Hier sollen die vier Hauptwege des Yoga, die schon einmal kurz erwähnt wurden, noch einmal näher beschrieben werden. Die Hauptwege sind
Bhakti-Yoga
Bhakti-Yoga – der Yoga der Hingabe
Die Hingabe ist der Weg der göttlichen Liebe, der helfen soll, mit dem Göttlichen im Herzen zu verschmelzen. Die Hingabe nimmt unterschiedliche Formen an, es gibt Riten (puja), Lieder (kirtan), Sprechgesänge (japa), Meditation über das Göttliche (upansana) und verschiedene Stimmungen, in die man sich versetzen kann. Dabei wird jenem Göttlichem gedient, das als der letztendliche Ursprung aller Hilfe und Führung gilt. Der Yoga der Hingabe gilt als beste Methode, das Herz und die Gefühle zu heilen. (vgl. Frawley, 2001)
Der Yoga der Bhagavadgita
Die Bhagavadgita ist in den Jahren zwischen 400 vor Christus und 200 nach Christus entstanden. Sie enthält sicher noch Elemente der jüngeren Upanischaden, im Mittelpunkt steht jedoch ein neues Gottesverständnis. Sie enthält ein Gespräch zwischen Krsna und Arjuna über den Weg rechten Handelns angesichts eines unmittelbar bevorstehenden Krieges, der Tod und Vernichtung bringen wird.
Sie zeigt nach dem Jnana-Yoga der Upanischaden und dem Raja-Yoga des Yoga-Sutra noch zwei weitere Yoga-Wege. Zum einen Karma-Yoga, der Handeln ohne Gewinnstreben verlangt. Nur die Erkenntnis, nicht der Lohn soll Antrieb sein. Erfolg und Misserfolg sind mit Gleichmut hinzunehmen. Der andere, Bhakti-Yoga, bedeutet, für einen persönlichen Gott tätig zu sein. In jeder Handlung auszudrücken, dass man ihn hingebungsvoll liebt. Die Bhagavadgita lehrt, dass Askese und Meditation erforderlich sind, damit die Ordnung und das rechte Werk erkannt werden. Der kürzeste Weg zur Vereinigung mit Gott aber wird in der Liebe gesehen. (vgl. Weiß, 1986)