Niyama sind ebenso wie die fünf yama keine Übungen oder Handlungen, die einfach einzustudieren wären, sondern stellen vielmehr eine innere Haltung dar. Die niyama sind im Vergleich zu den yama persönlicher. Sie meinen die Haltung, die ein Mensch sich selbst gegenüber einnimmt.
Niyama
Samtosha
Samtosha als ein weiteres niyama bedeutet Genügsamkeit, Bescheidenheit und Zufriedenheit. samtosha kann sich dabei auf geistige Aktivitäten, körperliche Anstrengungen und z.B. auch darauf beziehen, wie der Lebensunterhalt bestritten wird.
Svadhyaya
Svadhyaya – Selbsterforschung als das vierte niyama bedeutet soviel wie „nähere dich dir selbst, studiere dich“. Alles Lernen, jede Überlegung, jeder Kontakt, der dazu beiträgt, mehr über sich selbst zu erfahren, ist svadhyaya.
Ishvarapranidhana
Ishvarapranidhana – Das letzte niyama Ishvarapranidhana heißt: „Lege dein ganzes Handeln Gott zu Füßen“.
Der Astanga-Yoga
Der Astanga-Yoga, der achtgliedrige Weg des Yoga, gilt, wie schon erwähnt, weithin als das Zentrum des klassischen Yoga des Patanjali. Dabei hat jeder dieser acht Aspekte des Yogawegs seine besondere Bedeutung, die nicht vernachlässigt werden darf, wenn dieser Weg ganzheitlich verstanden werden soll. Die ersten fünf Glieder bilden den äußeren Aspekt des Yoga und legen die Grundlage für die tiefer reichende Yoga-Praxis. Die beiden ersten beziehen sich auf die richtige Einstellung , die richtigen Werte und die richtige Lebensweise, somit auf das Fundament des Yoga. Mit den nächsten drei können die äußeren Aspekte der Natur, nämlich Körper, Atem und Sinne, beherrscht werden. Die letzten drei Glieder heißen samyama und bilden den inneren Kern der vorhergehenden fünf, wie auch jeder anderen Yoga-Übung.
Das Ziel des Yoga-Pfades kann durch den Kernsatz des Yoga-Sutra vergegenwärtigt werden, der gleichsam als Motto für den Gesamttext ganz zu Beginn steht:
„Cittavrtti – nirodhah: Der Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen der inneren Welt“,
oder etwas freier übersetzt:
„Yoga ist die Stilllegung der Gedanken“.
Die Begründung folgt im nächsten Merkspruch:
„tada drashtuh svarupe vasthanam“: „Dann tritt der Purusha (Geist) in seiner selbsteigenen Wesensform heraus“,
mit anderen Worten, der Mensch ruht dann in seinem wahren Selbst. (vgl. Frawley, 2001; Friedrich, 1997; Wunderli, 1974)
Die acht Glieder und Inhalte des Yoga-Pfades nach Patanjali wieder, die im folgenden näher erläutert werden.
Glieder und Inhalte des Achtfachen Pfades nach Patanjali
Glieder – Inhalte
1. Yama – allgemein ethische Gebote
2. Niyama – Selbstreinigung durch Disziplin
3. Asana – Stellung
4. Pranayama – rhythmische Atembeherrschung
5. Pratyahara – Zurückziehen und Befreien der Gedanken von der Herrschaft der Sinne und der äußeren Gegenstände
6. Dharana – Konzentration
7. Dhyana – Meditation
8. Samadhi – Zustand des Überbewusstseins, der durch tiefe Meditation hervorgerufen wird